Zur Künd­bar­keit ei­nes "In­ter­net-Sys­tem-Ver­tra­ges"

06.01.2011

In ei­ner im Ju­li 2010 er­gan­ge­nen Ent­schei­dung, hat das Land­ge­richt Schweinfurt zur Künd­bar­keit ei­nes sog. In­ter­net-Sys­tem-Ver­tra­ges (zur Ty­po­lo­gie und recht­li­chen Eins­tu­fung s. BGH, Ur­teil vom 04.03.2010 - II ZR 79/09) ent­schie­den, dass
 
ein sog "Internet-System-Vertrag", der die auf einen bestimmten Zeitraum fest­ge­leg­te Gewährleistung der Abrufbarkeit einer von dem Unternehmer für seinen Kunden er­stell­ten und betreuten Webseite im In­ter­net, al­so kein bloß schlichtes Tätigwerden des Un­ter­neh­mers, sondern die Herbeiführung eines Erfolges als Er­geb­nis sei­ner Tätigkeit zum Ge­gen­stand hat, als Werkvertrag im Sinne von §§ 631 ff. BGB zu quali­fi­zie­ren ist. Die­ser Eins­tufung ste­he auch nicht ent­ge­gen, dass der Ver­trag Merk­ma­le ei­nes "Dau­er­schuld­ver­hält­nis­ses" auf­wei­se (> Grund­ver­trags­lauf­zeit von 48 Mo­na­ten und Ver­ein­ba­rung ei­ner mo­natl. Ver­gü­tung),
 
bei längerfristigen Ver­trä­gen das Kün­di­gungs­recht des Kun­den nach § 649 Satz 1 BGB nicht in Allgemeinen Geschäftsbedingungen beschränkt werden kann (mit Be­zug auf BGH, Urteil vom 08.07.1999 - AZ. VII ZR 237/98),für die (wi­der­leg­ba­re) Vermutung des § 649 Satz 3 BGB dann kein Raum ist, wenn man­gels ge­gen­tei­li­gem Vor­trag des Unternehmers davon auszugehen ist, dass er in­fol­ge der von dem Kun­den er­klär­ten Ver­trags­kün­di­gung alle mit der von ihm nach dem Ver­trag ge­schul­deten Leis­tungen im Zu­sam­men­hang ste­hen­den, auf die rest­li­che ("re­gu­lä­re") Vertrags­lauf­zeit ent­fal­len­den Auf­wen­dun­gen er­spart hat.
 
LG Schwein­furt, Be­schluss vom 09.07.2010, Az. 24 S 42/10

 
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